Christiane Preuß, Rechtsanwältin, über Konfliktlösung im Unternehmen

Konfliktlösung im Unternehmen: 5 entscheidende Anwaltstipps

Konfliktlösung im Unternehmen endet für viele mit dem Urteil, dem Vergleich oder dem unterschriebenen Vertrag. Ob damit auch der eigentliche Konflikt zwischen den Beteiligten verschwindet, ist eine andere Frage. Gerade im unternehmerischen Umfeld, wo Gesellschafter, Geschäftspartner oder Arbeitgeber und Mitarbeiter danach oft weiter miteinander zu tun haben, entscheidet sich hier viel darüber, ob aus einer Meinungsverschiedenheit ein jahrelanger Konflikt wird. Rechtsanwältin Christiane Preuß von der Kanzlei Heils & Kollegen in Nordhorn beschäftigt sich neben ihrer juristischen Arbeit seit Jahren mit genau dieser Frage. Im Interview erklärt sie, woran sie erkennt, dass hinter einem Rechtsfall ein tieferer Konflikt steckt, und was echte Konfliktlösung im Unternehmen von einer rein juristischen Lösung unterscheidet.

Wenn das Urteil kommt, aber der Konflikt bleibt

Konfliktlösung im Unternehmen beginnt für Christiane Preuß nicht erst bei der Rechtsfrage. Ein Mandat beginnt selten nur mit einer Rechtsfrage. Wer anwaltliche Unterstützung sucht, befindet sich meist in einer Situation, die allein nicht mehr lösbar erscheint. Dahinter stehen aus ihrer Erfahrung häufig starke Gefühle wie Unsicherheit, Wut, Angst oder Traurigkeit, dazu das Bedürfnis, mit der eigenen Sicht wirklich gehört zu werden.

„Ein Urteil, ein Vergleich oder ein Vertrag kann einen Sachverhalt beenden. Er beendet aber nicht automatisch das, was der Konflikt im Menschen ausgelöst hat.“

Das zeigt sich für sie schon im Gespräch daran, woran ein Mandant festhält und zu welchen Punkten er immer wieder zurückkehrt. Für gute anwaltliche Begleitung gehört deshalb aus ihrer Sicht dazu, nicht nur die Rechtslage zu sehen, sondern auch den Menschen dahinter, aufmerksam zuzuhören und ihn auf Wunsch auch auf dieser Ebene zu begleiten.

Gesellschafter, Geschäftspartner, Mitarbeiter: Warum Anwälte das große Ganze sehen müssen

Konfliktlösung im Unternehmen unterscheidet sich damit deutlich von einem privaten Rechtsstreit. Im unternehmerischen Umfeld reicht es aus Sicht von Christiane Preuß selten, einen einzelnen Streitpunkt isoliert zu lösen. Jede juristische Handlung wirkt in ein bestehendes Gefüge hinein und beeinflusst Beziehungen, Verantwortlichkeiten, Abläufe und oft auch die Kultur eines Unternehmens. Ein Anwalt sollte deshalb nicht nur wissen, welches Recht anwendbar ist, sondern verstehen, wie das Unternehmen funktioniert, welche Rollen die Beteiligten haben, wo Abhängigkeiten bestehen und was das Unternehmen langfristig tragen soll.

Die beste Lösung ist für sie deshalb nicht immer die juristisch konsequenteste. Sie sollte auch tragfähig sein: Klarheit schaffen, Verantwortung ordnen und im besten Fall ermöglichen, dass Zusammenarbeit wieder möglich wird, damit das Unternehmen gesund weiter wachsen kann.

Mehrere Personen besprechen gemeinsam ein Dokument am Tisch, Symbolbild für Konfliktlösung im Unternehmen
Symbolbild: Sebastian Herrmann / Unsplash

Zuhören, um zu verstehen, was der Mandant wirklich braucht

Mandanten kommen laut Preuß zunächst mit einer rechtlichen Erwartung: Recht bekommen, eine Forderung durchsetzen, eine Situation beenden. Oft zeigt sich aber schon im ersten Gespräch zwischen den Zeilen, worum es wirklich geht. Der Wunsch, „Recht zu bekommen“, ist häufig mit Wut oder Enttäuschung verbunden, der Wunsch, eine Situation zu beenden, kann von Angst oder Traurigkeit getragen sein. Wenn sie solche Emotionen wahrnimmt, benennt sie sie behutsam und fragt nach, nicht um die Rechtsfrage zu psychologisieren, sondern um zu verstehen, was der Mandant tatsächlich braucht.

Ob und wie diese Ebene angeschaut wird, entscheidet dabei immer der Mandant selbst. Entscheidend ist für Preuß, dass er bewusst wählen kann, ob er ausschließlich den rechtlichen Sachverhalt lösen möchte oder ob es darüber hinaus etwas braucht, damit der Konflikt für ihn wirklich abgeschlossen werden kann.

Konfliktlösung im Unternehmen: Wo Empathie endet und Professionalität beginnt

Empathie bedeutet für Christiane Preuß, einen Menschen und seine Situation ernst zu nehmen, ohne den Konflikt zum eigenen zu machen. Sie kann nachvollziehen, was jemanden bewegt, auch eigene Erfahrungen einbringen, doch ihre persönliche Geschichte darf niemals ihren juristischen Rat bestimmen. Dafür braucht es aus ihrer Sicht Selbstreflexion und immer wieder die Fähigkeit, in die Vogelperspektive zu wechseln, um den Sachverhalt klar zu betrachten, auch wenn die Antwort für den Mandanten unangenehm ist.

„Empathie schafft Nähe. Professionalität sorgt dafür, dass diese Nähe dem Mandanten dient.“

Trübten die eigenen Emotionen einmal die Beurteilung so stark, dass diese Distanz nicht mehr herzustellen wäre, wäre für sie eine Grenze erreicht. Dann gehöre es zur Verantwortung, das Mandat abzugeben und einen kompetenten Kollegen zu empfehlen.

Wenn es nur noch ums Rechthaben geht

Konflikte können sich aus Preuß’ Erfahrung verselbstständigen: Irgendwann geht es weniger um die ursprüngliche Sache als darum, Recht zu behalten, das Gesicht nicht zu verlieren oder der anderen Seite nicht nachzugeben. Man merkt diesen Punkt oft deutlich an Sprache, Körperhaltung und Gesprächsdynamik, wenn Argumente nicht mehr aufgenommen werden und Positionen starrer werden. Mit noch mehr juristischen Argumenten helfe man dann wenig weiter. Zuerst müsse gesehen und benannt werden, was gerade im Raum steht, damit wieder eine bewusste Entscheidung möglich wird.

Diese Entscheidung darf für sie durchaus lauten, an einer Position festzuhalten. Entscheidend ist nur, aus welcher Haltung heraus sie getroffen wird: Wer die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen kennt und seine Entscheidung dennoch bewusst trifft, gewinnt Klarheit und kann besser mit den Konsequenzen umgehen.

Der wichtigste Rat: früh Klarheit schaffen

Auf die Frage nach ihrem wichtigsten Rat zur Konfliktlösung im Unternehmen, bevor ein Konflikt überhaupt beim Anwalt landet, antwortet Christiane Preuß ohne Umschweife: früh Klarheit herstellen. Viele Konflikte werden aus ihrer Sicht nicht groß, weil sie unlösbar wären, sondern weil Dinge zu lange unausgesprochen bleiben. Transparenz, klare Zuständigkeiten und eine respektvolle Kommunikation schaffen den Raum, in dem Meinungsverschiedenheiten noch konstruktiv gelöst werden können.

Dazu gehören klare Rollen, nachvollziehbare Entscheidungswege und Strukturen, die für alle Beteiligten verständlich sind, ebenso eine Kultur, in der Missstände angesprochen werden dürfen, unabhängig von der Position in der Hierarchie. Geschäftsführer, Gesellschafter und Führungskräfte tragen dabei aus ihrer Sicht eine besondere Verantwortung, auch dafür, Impulse von außen anzunehmen, etwa aus Methoden der professionellen Mediation, wenn sie helfen. Konflikte kündigten sich meist an, sagt Preuß: Wer früh zuhört, Spannungen ernst nimmt und auch die Emotion unter einer Auseinandersetzung wahrnimmt, schafft die Chance, dass aus Gegensätzen wieder Verständigung entsteht. Genau das ist für sie der Kern gelungener Konfliktlösung im Unternehmen: nicht erst reagieren, wenn der Anwalt schon eingeschaltet ist.

Wie stark sich rechtliche und menschliche Ebenen im unternehmerischen Umfeld vermischen können, zeigt auch das Interview zu Familienrecht und Unternehmen, wenn private Konflikte zur Chefsache werden.

FAQ

Wann sollte im Unternehmen neben einem Anwalt auch ein Mediator eingeschaltet werden?
Immer dann, wenn eine rechtliche Lösung zwar den Sachverhalt beendet, die Beteiligten aber weiter zusammenarbeiten müssen, etwa als Gesellschafter oder Geschäftspartner. Konfliktlösung im Unternehmen braucht dann mehr als ein Urteil: Ein Mediator kann die Ebene bearbeiten, die ein Vergleich offenlässt.

Was passiert, wenn ein Gesellschafterkonflikt nur juristisch gelöst wird?
Der Rechtsstreit ist formal beendet, das Vertrauen zwischen den Beteiligten aber oft nicht wiederhergestellt. Ohne einen Umgang mit der emotionalen Ebene besteht laut Christiane Preuß die Gefahr, dass derselbe Konflikt an anderer Stelle erneut aufbricht.

Woran erkennen Führungskräfte einen Konflikt, bevor er eskaliert?
An wiederkehrenden Spannungen, unausgesprochenen Themen und daran, dass Beteiligte zunehmend starrer auf ihren Positionen beharren. Wer früh zuhört und Missstände offen anspricht, kann aus Preuß’ Erfahrung verhindern, dass daraus ein jahrelanger Streit wird. Frühzeitige Konfliktlösung im Unternehmen beginnt also lange vor dem ersten Anwaltstermin.

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Zur Person

Christiane Preuß ist Rechtsanwältin und eine der Gründerinnen und Partnerinnen der Kanzlei Heils & Kollegen in Nordhorn. Ihre Schwerpunkte liegen im Arbeitsrecht, im Gesellschafts- und Stiftungsrecht sowie im Familien- und Erbrecht. Daneben hat sie sich mit Techniken der Gesprächsführung und Begleitung von Mandantinnen und Mandanten in emotional belastenden Konfliktsituationen auseinandergesetzt.

Über das Unternehmen

Heils & Kollegen ist eine Rechtsanwaltskanzlei in Nordhorn, spezialisiert auf Strafrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Verkehrsrecht, Gesellschafts- und Stiftungsrecht, Arbeitsrecht sowie Familienrecht. Die Kanzlei richtet sich an Privatpersonen ebenso wie an Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Grafschaft Bentheim und Umgebung, die bei rechtlichen Auseinandersetzungen klare und verständliche Unterstützung suchen.

Kontakt

Heils & Kollegen
Jahnstraße 9
48529 Nordhorn
Tel.: 05921 722051
E-Mail: c.preuss@der-anwalt-hilft.com
Web: www.der-anwalt-hilft.de
LinkedIn: Christiane Preuß

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