Madlen Peilke ist vieles gleichzeitig: Autorin, Künstlerin, Podcasterin, ausgebildete Datenschutz- und Compliancebeauftragte. Und sie ist offen darüber, dass ihr Arbeitsalltag anders aussieht als der vieler anderer Unternehmerinnen. Im Interview für rechtimunternehmen.de spricht sie über fokussiertes Arbeiten ohne Autopilot, die häufigsten Datenschutzfehler von Soloselbstständigen und darüber, warum ein Business schon dann ein Erfolg ist, wenn man Freude daran hat.
Schritt für Schritt statt alles auf einmal
Du bist Autorin, Künstlerin, Podcasterin und Selbstständige. Wie strukturierst du deinen Alltag so, dass du kreativ bleibst, ohne dich zu verlieren?
Nichts passiert gleichzeitig. Immer alles nacheinander und bewusst Schritt für Schritt. Ich liebe es, achtsam meine Projekte zu erleben. Wenn ich an einem Buch schreibe, strukturiere ich jedes Kapitel für sich. In manchen Wochen rufen natürlich mehrere Punkte nach mir. Dann schaffe ich mir unterschiedliche Fokustage: Montag für das Buchprojekt, Dienstag für Podcastaufnahmen, Mittwoch für Schnitt, Shownotes und Planung. So kann ich wirklich fokussiert arbeiten. Meine Arbeit mit B2B-Kunden habe ich vor einigen Monaten bewusst eingestellt, weil ich mich endlich um meine eigene Sichtbarkeit kümmern wollte. Das war die richtige Entscheidung.
Bullet Journal als Gegenentwurf zum Autopiloten
Die Bullet Journal Methode ist für dich mehr als ein Planungstool. Was macht sie für Selbstständige besonders wertvoll?
Sie hilft dabei, aktiv den Autopiloten auszuschalten und im Moment zu sein. Das Schreiben mit der Hand auf Papier ist eine echte Errungenschaft, die ich mir vor acht Jahren zurückgeholt habe. Die Methode hat nichts mit den bunten, perfekten Seiten zu tun, die man auf Social Media sieht. Dieser Wunsch nach Perfektion steht der Methode eigentlich entgegen. Es geht darum, den Prozess mit Neugier zu sehen. 2025 habe ich beim Erfinder der Methode den Grundlagen- und den Transformationskurs absolviert und bin seitdem zertifizierter Bullet Journal Anwender. Mein Ziel ist es, irgendwann den Trainer-Schein zu machen und dann wieder mit Kunden zu arbeiten, die die Methode im Business und Privatleben nutzen wollen, ohne kreativ werden zu müssen.
Selbstständig trotz Pflegestufe: Was niemand einem sagt
Du sprichst offen über chronische Erkrankung und Selbstständigkeit. Was sollten Unternehmerinnen und Unternehmer in dieser Situation wissen?
Wichtig ist, alles in Anspruch zu nehmen, was Kranken- und Pflegekasse anbieten. Ich erhalte von dieser Seite viel Unterstützung, was Therapie, Hilfsmittel und Medikamente betrifft. Man muss sich mit chronischer Erkrankung immer wieder neue Wege suchen und darf nicht davon ausgehen, dass alles gleichbleibt. Was ich mir früher gewünscht hätte zu wissen: dass ich trotz Pflegestufe weiterhin selbstständig sein kann und mir niemand so ohne Weiteres die Fähigkeit abspricht, ein Unternehmen zu führen. Es ist nicht immer leicht. Ich bin dankbar für die Unterstützung meines Ehepartners und dafür, dass mein selbst aufgebautes Geschäftsmodell es mir ermöglicht, jeden Tag so gut wie möglich zu leben.
Drei Datenschutzfallen, in die Soloselbstständige immer noch tappen
Was sind die häufigsten Datenschutzfehler, die dir bei Kreativen auffallen?
Drei Dinge stechen immer wieder heraus. Erstens fehlt auf Social-Media-Profilen nach wie vor das Impressum. Stattdessen werden Verkaufslinks priorisiert, dabei ist ein Impressum auf der eigenen Website keine Hexerei. Viele nutzen außerdem Tools, die nicht datenschutzkonform sind, weil deren Server in Drittländern liegen, die mit der DSGVO nichts zu tun haben.
Zweitens: Kaltakquisenachrichten. Ich kann nicht einfach beliebige Personen auf Social Media anschreiben, ohne eine echte Interessenabwägung vorgenommen zu haben. B2C geht ohne Einwilligung gar nicht. B2B ist etwas leichter, aber auch hier braucht es entweder einen nachvollziehbaren Grund oder einen ehrlichen Kontaktaufbau über echten Austausch.
Drittens beobachte ich aktuell eine Panikreaktion beim Thema Widerrufsbutton. Viele haben vorschnell ihre Shops geschlossen. Bei einer eigenen Website liegt die Umsetzung in den eigenen Händen, und mit dem Stichtag klicken keine Handschellen. Die Plattformen wie Ko-Fi oder Etsy werden nachrüsten, denn sie haben selbst kein Interesse daran, den europäischen Markt zu verlieren.
Kreativität ist kein Talent, sondern eine Denkweise
Wie überzeugst du jemanden davon, der glaubt, keine kreative Ader zu haben?
Ich erkläre zunächst, was Kreativität im Prozess wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, malen zu müssen. Für mich ist Kreativität eine andere Art zu denken. Wer das verstanden hat, öffnet sich leichter dafür. Viele Menschen glauben auch 2026 noch, dass Kunst nicht in Büroräume gehört. Ich habe in der Praxis oft erlebt, dass kalte Büroräume von Kunst leben. Ein Blick auf ein Kunstwerk kann einen festgefahrenen Prozess lösen, Phantasie anregen und Umdenken anstoßen. Deshalb ist mein Slogan: Kunst ist kein Luxus. Gerade in KI-geprägten Zeiten sollten wir kleinen, echten Künstlern eine Chance geben und ihre Arbeit kaufen. Seit Juni 2026 verkaufe ich meine Kunst deshalb auch im B2B-Bereich.
Mehr Neugier, weniger Urteil
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Madlen Peilke: Ich wünsche mir mehr Neugier und weniger Urteil. Nur weil jemand vielbegabt ist, hat er keinen Bauchladen. Nur weil jemand Künstler ist, ist er nicht lebensunfähig. Und ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen trauen, ihre Herausforderungen offen zu benennen. Es ist völlig in Ordnung, wenn man keinen sechsstelligen Jahresumsatz hat oder nicht auf einer Insel lebt. Ein Business kann schon dann ein Erfolg sein, wenn es besteht und wenn man Freude an dem hat, was man tut.
Über Madlen Peilke
Madlen Peilke, auch bekannt als Millaine Featherfield, ist Autorin, Künstlerin, Podcasterin und ausgebildete Datenschutz- und Compliancebeauftragte. Sie ist Gründerin von xSeitenSeele und Creative Brain und lebt in Erfurt. Auf LinkedIn und in ihrem Podcast „True Crime Marketing“ teilt sie regelmäßig Einblicke in kreatives Unternehmertum, Datenschutz und das Leben mit chronischer Erkrankung.




